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Besprechung von Der Hobbit (Ausgabe von 2009)

J.R.R. Tolkien, Wolfgang Krege (Übers.) und Alan Lee (Illustrator)
Der Hobbit
Stuttgart: Klett-Cotta, 2009.
[Gebundenes Buch, ISBN 978-3-608-93800-5, 22,90 €, Amazon.de]

von André Gand
veröffentlicht am 8. März 2009

 

Der Verlag Klett-Cotta versprach in seiner Werbung den „schönsten Hobbit, den es je gab“ und veröffentlichte eine neue deutschsprachige Ausgabe von Tolkiens Hobbit in der Übersetzung von Wolfgang Krege. Diese Ausgabe wird nun im folgenden Text besprochen, allerdings nicht inhaltlich, denn die erzählte Geschichte sollte bekannt sein oder kann an anderer Stelle nachgelesen werden. Sie ist in der Tat „schön“ und man kann wohl auch tatsächlich zugeben, dass es die bisher schönste deutsche Ausgabe des Hobbit ist.

Was aber bedeutet nun „schön“? Klett-Cotta spielt damit auf die Illustrationen des Künstlers Alan Lee an, die hier erstmals in einer deutschen Ausgabe enthalten sind. Es scheint in letzter Zeit sehr in Mode gekommen zu sein, Ausgaben bekannter oder auch ganz neuer Werke mit Illustrationen versehen anzubieten. Das gefällt wahrscheinlich auch vielen Leuten, aber andererseits kann der Leser so nicht mehr ungezwungen seiner eigenen Phantasie und Vorstellungskraft freien Lauf lassen. Hobbit-Ausgaben waren aber schon fast immer illustriert. Tolkien selbst fertigte auch Illustrationen an, die in manchen englischen Ausgaben enthalten sind. Diese Ausgabe enthält nun aber die Illustrationen von Lee, es handelt sich um 26 ganzseitige, farbige Bilder. Dazu kommen noch 38 kleinere schwarzweiß-Zeichnungen, die zu Beginn jeden Kapitels und auch zwischen den Textabschnitten zu finden sind. Wer Lees Illustrationen schon in Klett-Cottas Ausgabe von Die Kinder Húrins leiden konnte, wird von denen in der hier besprochenen Hobbit-Ausgabe sicher nicht enttäuscht werden. Allerdings sind die Bilder Kennern von englischen Ausgaben bereits bekannt, sie wurden u.a. bereits in den HarperCollins-Ausgaben von 1997, 2004 und 2008 veröffentlicht.
Lees Illustrationen in dieser Ausgabe sind aber nicht die einzige Gemeinsamkeit mit der 2007 veröffentlichten Klett-Cotta-Ausgabe von Die Kinder Húrins. Die Verarbeitung der beiden Ausgaben ähnelt sich sehr, das beginnt beispielsweise schon damit, dass die Bücher genau das gleiche Format haben, und es würde mich nicht wundern, wenn diese beiden Bücher erst der Anfang einer Reihe weiterer Neuausgaben der Werke Tolkiens bei Klett-Cotta gleicher Machart sind. Denkbar wäre beispielsweise eine Neuausgabe des Silmarillion, des Herrn der Ringe oder auch der Nachrichten aus Mittelerde im gleichen Stil.
Etwas schade ist allerdings, dass der Text auf dem Buchrücken in dieser neuen Hobbit-Ausgabe genau andersherum geschrieben steht als der Buchrückentext der Ausgabe von Die Kinder Húrins. Während man bei Die Kinder Húrins die eigentlich eher im angelsächsischen Sprachraum übliche Textrichtung (Kopf muss nach rechts geneigt werden, um den Titel lesen zu können) nutzte, ist der Buchrücken der neuen Hobbit-Ausgabe genau umgekehrt bedruckt (Kopf muss nach links geneigt werden).

Hervorheben möchte ich noch ein kleines Detail dieser Ausgabe. In Hobbit-Ausgaben lassen sich zwei Karten finden: Die Karte von Wilderland und „Thrors Karte“ (die in Scherf-Übersetzungen nicht enthalten ist). Beide Karten sind nun erstmals mit rotem Text und roten Verzierungen versehen - in bisherigen Ausgaben der Krege-Übersetzung waren die Karten nur schwarz/weiß abgebildet.

Was jedoch aus meiner Sicht „schön“ an dieser Ausgabe ist, ist der Text selbst. Schließlich kommt es eigentlich auf den Inhalt eines Werkes an und nur bedingt auf Illustrationen. Mit dieser Ausgabe erhält man den bis dato aktuellsten Text einer deutschen Hobbit-Übersetzung. Kreges Übersetzung, erstmals erschienen 1997, ist bekanntermaßen nahe an Tolkiens Vorlage - zumindest näher als die andere deutsche Übersetzung, angefertigt von Walter Scherf und erstmals 1957 veröffentlicht. Denn letztere ist bei weitem nicht so genau, auch wenn sie im Laufe der Jahrzehnte mehrfach überarbeitet und dabei auch die englische Ausgabe von 1966, in der Tolkien selbst die letzten größeren Revidierungen vornahm, berücksichtigt wurde: Ihr fehlen beispielsweise trotzdem auch in aktuellen Ausgaben Teile von Liedern und Gedichten. Auch die vor dem ersten Kapitel abgedruckte Erklärung zu den Runen ist bei Scherf nicht enthalten.
Krege ist also mit seiner Übersetzung zum einen insofern „schön“, weil hier tatsächlich der gesamte Text Tolkiens übersetzt wurde und nicht einfach Teile ausgelassen wurden, zum anderen für den deutschsprachigen Leser deshalb, weil Krege in seiner Übersetzung Namen und Orte so benennt, wie sie auch in deutschen Übersetzungen von Lord of the Rings benannt sind - vieles klingt einfach vertrauter.
Der Text der Krege-Übersetzung wurde für diese neue Ausgabe leicht überarbeitet, bekannte Schreibfehler wurden korrigiert. Die Änderungen am Text sind jedoch nicht so umfangreich, wie die vielen Korrekturen und Abänderungen, die an der kürzlich erschienenen neuen Ausgabe der Carroux-Übersetzung von Lord of the Rings vorgenommen wurden. Man erhält mit dieser Ausgabe die fehlerfreieste Krege-Übersetzung des Hobbit.

Für Freunde von Alan Lees Bildern ist diese Ausgabe ein Muss. Wer mit Illustrationen wenig anfangen kann, ist mit anderen Ausgaben der Krege-Übersetzung fast genauso gut bedient wie mit dieser Neuausgabe, denn nur die wenigen textlichen Ausbesserungen rechtfertigen nicht die Anschaffung einer Zweitausgabe der Krege-Übersetzung. Wer noch keine deutsche Übersetzung des Hobbit im Buchregal stehen hat, sollte unbedingt zu dieser Ausgabe greifen.

 

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