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Interview mit Heidi Steimel

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von André Gand
veröffentlicht am 28.11.2009


Heidi Steimel

Heidi Steimel studierte Musik an der Grace University in Omaha, Nebraska (USA) und beschäftigt sich auch bei der Untersuchung von Tolkiens Werken mit musikalischen Fragestellungen, so hat sie beispielsweise in Hither Shore 5 einen Essay mit dem Titel „The Dwarven Philharmonic Orchestra“ veröffentlicht. Gemeinsam mit Friedhelm Schneidewind gibt sie den Sammelband Musik in Mittelerde heraus, der in deutscher Sprache im Verlag der Villa Fledermaus und in englischer Sprache unter dem Titel Music in Middle-earth bei Walking Tree Publishers erscheint.

In diesem Interview spricht Steimel über ihre Beziehung zu Tolkien und dessen Werk, über ihre Leidenschaft zur Musik sowie über den genannten Sammelband. Die Fragen stellte André Gand.

André: Kannst Du uns zunächst etwas über Deine musikalische Ausbildung und Interessen erzählen?

Heidi Steimel: Als ich sieben Jahre alt war, habe ich angefangen, Klavier zu spielen. Dieses Instrument ist mein Leben lang meine große musikalische Liebe geblieben, auch wenn ich einige andere Instrumente ausprobiert habe. In der Schule und in der Kirchengemeinde meiner amerikanischen Heimat sammelte ich Erfahrung im Begleiten und Vorspielen, und ich entschied mich, Kirchenmusik zu studieren. Seitdem bin ich vor allem als Klavierlehrerin und als Kirchenmusikerin tätig gewesen.

André: Wie bist Du zu Tolkien gekommen?

Heidi Steimel: Im Studium gab mir ein Freund seine The Lord of the Rings-Bücher zu lesen. Ich konnte sie nur für die nötigsten Beschäftigungen aus der Hand legen und lebte drei Tage lang in Mittelerde bis ich sie durchgelesen hatte. Danach las ich sie sofort noch mal und seitdem viele Male. Als ich nach Deutschland umzog, traf ich keine Menschen, die die Bücher kannten. Erst als der HdR-Film ins Kino kam, entdeckte ich Fans im Internet und lernte einige persönlich kennen, in Deutschland besonders durch die Deutsche Tolkien Gesellschaft.

André: In seinen Werken benutzt Tolkien oft Musik und Dichtung - man denke beispielsweise an das „Unerwartete Fest“ im Hobbit oder die „Musik der Ainur“ im Silmarillion. Welche Bedeutung hat Musik in seinen Werken, und sind es diese Themen in Tolkiens Werk, die Dich besonders interessieren?

Heidi Steimel: Musik, vor allem der Gesang, hat eine sehr wichtige Rolle in Tolkiens Erzählungen - oft sogar mit magischer Wirkung. Seine Schöpfungsgeschichte ist ein wunderschönes musikalisches Ereignis, und immer wieder werden Lieder und Instrumente erwähnt. Als Musikerin bin ich natürlich fasziniert davon und lese solche Stellen mit besonderer Aufmerksamkeit. Ich habe auch in Tolkiens Biographie Ausschau nach der Bedeutung von Musik in seinem Leben gehalten. Seine Frau Edith war eine begabte Pianistin, und er liebte vor allem klassische Musik.

André: Bist Du durch Tolkiens Werke musikalisch inspiriert worden?

Heidi Steimel: Ich bin eher dazu gekommen, über die Bücher zu schreiben als zu musizieren. Da ich keine Komponistin bin, habe ich nicht das Bedürfnis gehabt, seine Lieder zu vertonen - mit einer Ausnahme: ich habe eine einfache Melodie zu meinem Lieblingsgedicht, “The Road Goes Ever On and On”, ausgedacht. Die existierenden Melodien schienen mir das, was ich empfand, nicht einzufangen. Ein anderer Inspirationsbereich ist eher visuell - ich habe einige Gedanken zu verschiedenen Werken Tolkiens in Textilkunst umgesetzt, als Patchwork.

André: Tolkiens Werke waren oft Inspiration für Musiker und Komponisten, so dass es viele durch Tolkien inspirierte Musik gibt. Gibt es darunter etwas, das Dir besonders gefällt?

Heidi Steimel: Ich mag Howard Shores Filmmusik zum HdR sehr, auch die Musik und Lieder des BBC Radiohörspiels (von Stephen Oliver) gefallen mir. Donald Swanns The Road Goes Ever On Vertonungen sind interessant, wenn auch nicht unbedingt stilistisch passend zu Mittelerde - ich finde es allerdings schön, die Klavierbegleitungen spielen zu können und zu wissen, dass Tolkien und seine Frau sie kannten und mochten. Das Gesamtprojekt (Musik zu allen Liedern im HdR) des Tolkien Ensembles find ich großartig, wobei einzelne Melodien und Bearbeitungen mir unterschiedlich gefallen. Es gibt so viele weitere Komponisten und Interpreten, dass ich nicht anfangen kann, sie zu nennen oder überhaupt alle zu kennen.

André: Für Walking Tree Publishers hast Du gemeinsam mit Friedhelm Schneidewind einen Sammelband herausgegeben, der verschiedene Essays von Tolkien-Forschern beinhaltet, die sich alle mit musikalischen Themen beschäftigen. Wie kam es zur Idee für diesen Sammelband?

Heidi Steimel: Ich habe über die Instrumente der Zwerge im Hobbit recherchiert, um einen Vortrag für das Tolkien Seminar vorzubereiten. Dabei fand ich fast kein Sekundärmaterial zum Thema und fragte beim Verlag Walking Tree nach, ob dieses Thema nicht für ein Buch geeignet wäre. Der fragte zurück, ob ich bereit wäre, ein solches Buch mit herauszugeben - zusammen mit Friedhelm Schneidewind, der als erfahrener Autor, Herausgeber und Musiker der geeignete Partner für das Projekt war.

André: Sämtliche Essays des Sammelbandes sind in zwei Sprachen vorhanden - originär deutsche Essays wurden ins Englische übersetzt und originär englische Essays ins Deutsche. Die deutschen Titel sind in dem Band Musik in Mittelerde (Verlag der Villa Fledermaus) abgedruckt, die englischen in Music in Middle-earth (Walking Tree). Wie kam es zu dieser Idee?

Heidi Steimel: Friedhelm Schneidewind ist einer der Herausgeber der Edition Stein und Baum im Verlag der Villa Fledermaus und meinte, das Thema könnte auch für deutschsprachige LeserInnen interessant sein. Da wir Beiträge in beiden Sprachen hatten, gefiel uns die Idee. Soweit ich weiß, ist dies das erste Mal, dass ein Buch zu Tolkien bilingual erscheint.

André: Kannst Du uns kurz einen Überblick über den Inhalt des Sammelbandes geben?

Heidi Steimel: Die ersten Kapitel beleuchten die musikalische Schöpfungsgeschichte von verschiedenen Seiten: Physik, Musik, und Theologie. Dann gibt es Beiträge, die auf die Verwendung von Musik in den Geschichten Tolkiens eingehen, besonders die Art der Musik sowie die Instrumente. Die Aufsätze des nächsten Abschnitts beleuchten die Einflüsse anderer Literatur auf Tolkiens Gedichte und Lieder und vergleichen sie mit Werken anderer Autoren. Zum Schluss gibt es einige Kapitel, die sich mit heutigen Vertonungen und Interpretationen Der Herr der Ringe, z.B. Film und Hörspielmusik, beschäftigen.

Im Interview erwähnte Bücher

Heidi Steimel und Friedhelm Schneidewind (Hgg.)
Music in Middle-earth
Zürich, Bern: Walking Tree, [Januar] 2010.
[ISBN 978-3-905703-14-6, Amazon.de]

Friedhelm Schneidewind und Heidi Steimel (Hgg.)
Musik in Mittelerde
Hemsbach: Verlag der Villa Fledermaus, 2010.
[ISBN 978-3-932683-14-5, 20.00 €]

 

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