Start » Primärliteratur » The Lays of Beleriand (HoMe 3)

J.R.R. Tolkien, C. Tolkien (Hg.), The Lays of Beleriand (HoMe 3)

Nachdem J.R.R. Tolkien 1920 die Arbeit an The Book of Lost Tales unvollendet liegen gelassen hatte, schrieb er um 1920/21 noch einige wenige kurze Prosa-Fragmente zu diesem Thema – veröffentlicht in The Shaping of Middle-earth (HoMe 4) -, um sich dann für lange Zeit dem Dichten von lyrischen Balladen zuzuwenden: den sogenannten Lays - die alle in dem hier vorgestellten Band (The Lays of Beleriand) vereinigt sind.

Diese Lays haben den gleichen Sagenstoff zum Gegenstand wie die Erzählungen in The Book of Lost Tales. Tolkiens erster Versuch in dieser Richtung war The Lay of the Fall of Gondolin, aber er blieb fragmentarisch und kurz. Dieses und ein paar andere lyrische Fragmente sind in dem hier besprochenen Band in Teil II aufgenommen.

In den frühen Zwanzigern begann er dann mit The Lay of the Children of Húrin. Obwohl er 1924/25 ungefähr erst die Hälfte fertig hatte (und dennoch über 2000 Zeilen gedichtet hatte), begann er eine zweite Version anzufertigen (und arbeitete an der ersten gleichzeitig weiter).
Die zweite Version hatte im Sommer 1925 817 Zeilen erreicht, und Tolkien brach ab. Ziemlich gleichzeitig wurde auch die Arbeit an der ersten Version abgebrochen, und der Túrin-Stoff wurde in Versform nie wieder aufgegriffen – wohl aber später dann in Prosaform (die ersten Stufen dazu sind veröffentlicht in The Shaping of Middle-earth (HoMe 4)). The Lay of the Children of Húrin macht Teil I des vorliegenden Bandes aus, und wir finden beide Versionen dort veröffentlicht.

Direkt nach Abbruch dieses Lays begann er mit einem neuen: The Lay of Leithian, seinem längsten Lay überhaupt. Er griff hier die in The Book of Lost Tales behandelte Sage um Beren und Lúthien auf und entwickelte sie weiter. Er arbeitete daran von Sommer 1925 bis September 1931, die Ballade erreichte eine Länge von über 4000 Zeilen. Dennoch war sie unfertig; Tolkien brach sie ab wie alle anderen Lays auch.
Dieser Lay macht den Teil III des hier besprochenen HoMe-Bandes aus.

Der IV. und letzte Teil ist eine überarbeitete Version des Lay of Leithian, allerdings aus einer sehr viel späteren Zeit. Tolkien scheint direkt nach der Beendigung von The Lord of the Rings (1949/50) diese Überarbeitung in Angriff genommen zu haben. Der Anlass dazu mag – zusätzlich zu dem eigenen Gefühl, dass eine Korrektur notwendig sei -, laut Christopher Tolkien eine ausführliche Rezension eines namentlich unbekannten Mannes geweisen sein, in der dezidiert Fehler oder angebliche Fehler aufgezeigt wurden.

Besonders interessant – und für die Weiterentwicklung des Gesamtwerkes von Tolkien äußerst wichtig – sind zwei Tatsachen:

Zum einen schickte Tolkien im ersten Teil des Jahres 1926 The Lay of the Children of Húrin und den Anfang von The Lay of Leithian an seinen ehemaligen Lehrer R.W. Reynolds zur Begutachtung. Bedeutsam daran ist vor allem, dass Tolkien dazu den mythischen Hintergrund dieser Geschichte in Prosa skizzierte; und dieser Abriss – bekannt als Sketch of the Mythology (und veröffentlicht in HoMe 4) – ist die Keimzelle für alle späteren Silmarillion-Fassungen.

Und zum zweiten sandte Tolkien 1937 kurz nach Veröffentlichung von The Hobbit verschiedene Manuskripte seiner Werke an den Verlag George Allen & Unwin, unter denen sich auch der 1931 abgebrochene Lay of Leithian und eine weiterentwickelte Fassung des Sketch of the Mythology befanden. Da der Verlag bei Tolkien angefragt hatte, ob er eine Fortsetzung von The Hobbit schreiben wolle (und Tolkien dazu eigentlich keine Motivation spürte), sollten diese eingereichten Manuskripte als Ersatz dienen. Für die Weiterentwicklung des Werkes von Tolkien ist daran entscheidend gewesen, dass das Gesamtpaket vom Verlag abgelehnt wurde. Ohne dieses wäre The Lord of the Rings also nie entstanden, denn nun versuchte Tolkien notgedrungen, statt der eingereichten Manuskripte ein neues zu schreiben...

The Lays of Beleriand erschien im August 1985 zunächst bei George Allen & Unwin, London. Der Verlag ist mittlerweile in den HarperCollins-Verlag übergegangen. Dieser bietet The Lays of Beleriand momentan in verschiedenen Ausgaben an: Es existiert eine Paperback-Ausgabe, aber auch ein Hardcover-Buch, das die ersten fünf HoMe-Bände vereinigt. Ebenfalls 1985 - im November - erschien für den amerikanischen Markt eine Ausgabe im Verlag Houghton Mifflin, Boston. Houghton Mifflin bietet momentan nur eine Hardcover-Ausgabe dieses Bandes an. Bei Del Rey sind die ersten fünf HoMe-Bände als Paperback-Ausgabe erhältlich. Eine deutsche Übersetzung von The Lays of Beleriand existiert nicht.

Weiteres Material

Englische Ausgaben

J.R.R. Tolkien und Christopher Tolkien (Hg.)
The Lays of Beleriand (HoMe 3)
London: HarperCollins, [4. März] 2010.
Hardcover
ISBN: 978-0-00-736527-2
UVP: 40,00 £ [1] (ca. 44,66 € [2])
Amazon.de, Amazon.co.uk
J.R.R. Tolkien, C. Tolkien (Hg.)
The Lays of Beleriand
London: HarperCollins, [5. Juni] 2002.
Paperback
The History of Middle-earth 3
ISBN: 978-0-261-10226-2
UVP: 9,99 £ [1] (ca. 11,15 € [2])
Amazon.de, Amazon.co.uk, Amazon.com
J.R.R. Tolkien, C. Tolkien (Hg.)
The Complete History of Middle-Earth - Vol. 1
London: HarperCollins, [6. Januar] 2003.
Hardcover
Diese Ausgabe enthält die ersten fünf Bände der History of Middle-earth.
ISBN: 978-0-00-714915-5
UVP: 60,00 £ [1] (ca. 66,99 € [2])
Amazon.de, Amazon.co.uk, Amazon.com
J.R.R. Tolkien, C. Tolkien (Hg.)
Histories of Middle-earth, Box
New York: Ballantine Books.
Paperback
ISBN: 978-0-345-46645-7
Amazon.de, Amazon.co.uk, Amazon.com

 

Facebook

Täglich Tolkien auf Facebook

Legende von Sigurd und Gudrún

Ab 20. August 2010 auf Deutsch

Zufallsartikel

 Besprechung von C. Scull, W.G. Hammond: The J.R.R. Tolkien Companion and Guide I: Chronology