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Besprechung des Hörbuchs Elbenwald

J.R.R. Tolkien und Gert Heidenreich (Sprecher)
Elbenwald. Blatt von Tüftler
München: Hörverlag, 2009.
[Audio-CD, ISBN 978-3-86717-503-6, 9.95 €, Amazon]

von André Gand
veröffentlicht am 26.06.2009

 

Elbenwald ist das Hörbuch zu der Geschichte Blatt von Tüftler von J.R.R. Tolkien. Der Sprecher ist Gert Heidenreich, der in der Vergangenheit bereits andere Werke Tolkiens - Der Hobbit, Die Kinder Húrins, Die zwei Türme und Die Wiederkehr des Königs - für Hörbuchproduktionen vorgelesen hatte.

Tolkiens Geschichte ist insgesamt recht kurz und so wundert es nicht, dass auch das Hörbuch mit einer Gesamtlaufzeit von nur 53 Minuten recht kurz ist. Es handelt sich dennoch um die wortgetreue, vollständige Lesung des Textes, der in deutscher Sprache das erste mal 1975 in einer Übersetzung von Margaret Carroux bei Klett-Cotta erschienen ist. Heidenreich macht seine Sache, wie auch schon in seinen vorherigen Lesungen von Werken Tolkiens, sehr gut. Einer der wenigen Schwachpunkte anderer, bereits vorliegender Hörbücher zu Tolkiens Werken ist die Aussprache mancher Wörter in einer der von Tolkien erdachten Elbensprachen. Doch in Blatt von Tüftler kommen keinerlei solcher Wörter vor, so dass es das Problem der mitunter misslungenen Aussprache mancher elbischer Wörter in den anderen Hörwerken in dem hier besprochenen Hörbuch naturgemäß gar nicht geben kann.

Heidenreich ist Profi und das merkt man natürlich auch in diesem Hörbuch. Er verwendet für jede Figur eine besondere Stimmlage, wird dabei aber nie zu aufdringlich oder unglaubwürdig, sondern trifft sowohl eine der Figur als auch eine der Situation innerhalb der Geschichte angemessene Stimme. Hervorzuheben sind hier insbesondere natürlich die beiden „Stimmen“, die Tüftler von seinem Krankenzimmer aus hört. Die Tonlagen und Klangfarben der „Stimmen“ sind in der Geschichte genau beschrieben und Heidenreich gelingt es äußerst gut, dieses durch eigenen Stimm- und Tempiwechsel gut interpretiert wiederzugeben.

Warum die Hörbuchversion der Geschichte allerdings „Elbenwald“ genannt wurde, scheint auf den ersten Blick nicht ganz nachvollziehbar. Das Wort „Elbenwald“ kommt in der gesamten Geschichte überhaupt nicht vor, auch tauchen keine Elben auf. Natürlich geht es zwar auch um den Wald, in dem Tüftlers Baum steht, aber vermutlich hat man den Titel deshalb gewählt, um es für den unbedarften Kunden so erscheinen zu lassen, die Geschichte hätte etwas mit den „Mittelerde“-Geschichten Tolkiens zu tun. Das ist aber nicht der Fall, Blatt von Tüftler hat mit dem Herrn der Ringe, dem Hobbit oder auch dem Silmarillion direkt zunächst mal gar nichts zu tun. Ein ähnlicher Kniff wurde auch schon bei der Hörbuchfassung von Tolkiens Schmied von Großholzingen benutzt: das Hörbuch dazu bekam den neuen Titel Der Elbenstern. Allerdings kommt in der Geschichte um den Schmied auch tatsächlich ein Elbenstern vor, so dass man diese Titeländerung eher nachvollziehen konnte. Wer also aufgrund des Titels Elbenwald auf Geschichten mit Elben oder anderen phantastischen Wesen Tolkiens hofft, wird enttäuscht werden. In Blatt von Tüftler geht es vordergründig um ganz etwas anderes: Tüftler malt das Bild eines Baumes, insbesondere die Blätter des Baums, wird dabei jedoch des Öfteren von seinem Nachbarn Paris abgelenkt und nie mit dem Malen des Baumes fertig, muss dann auf eine Reise, verbringt einige Zeit in einem Krankenzimmer und findet letztlich - zusammen mit Paris - seinen Baum. Interpretieren lässt sich die Geschichte auf verschiedene Weise, allerdings möchte ich innerhalb dieser Besprechung keine eigene Interpretation liefern, denn man sollte - so man die Geschichte noch nicht kennt - diese unvoreingenommen hören (oder lesen) und sich zunächst seine eigenen Überlegungen machen. Denn allzu oft wird diese Geschichte nur theologisch interpretiert, was nicht unbedingt die einzige Sicht sein muss.

Das Begleitmaterial zum Hörbuch ist sehr übersichtlich: War man es bei den Hörbuchversionen manch anderer Werke Tolkiens aus dem Hörverlag gewohnt, ein umfangreiches Begleitheft mitgeliefert zu bekommen, so weist Elbenwald nur ein winziges Begleitheft (inklusive Coverbild und Reklame für andere Hörbücher vier Seiten) auf, in dem kurz und knapp Informationen zum Autor und zum Sprecher gegeben werden. Das ist allerdings nicht schlimm, ich wüsste selbst nicht, was man dort als Begleitmaterial hätte zugeben können.

Alles in allem ist das Hörbuch eine gelungene Umsetzung von Tolkiens Blatt von Tüftler in gewohnt guter Qualität. Heidenreich liest perfekt und der recht günstige Preis lädt zum Kauf ein.

 

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