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The Lord of the Rings: A Reader's Companion Besprechung von W.G. Hammond, C. Scull: The Lord of the Rings: A Reader's Companion
  | J.R.R. Tolkien, Wayne G. Hammond und Christina Scull The Lord of the Rings und A Reader's Companion London: HarperCollins, 2005. [Hardcover, ISBN 978-0-00-720357-4, Amazon] |
von Stephan Eggersglüß
veröffentlicht am 05.01.2007
1. Entstehung
The Lord of the Rings: A Reader's Companion war ursprünglich als eine Art „kommentierte Edition“ gedacht, wie die Autoren Wayne G. Hammond und Christina Scull in ihrem Vorwort betonen. Vorbild war in dieser Hinsicht das von Douglas A. Anderson herausgegebene Buch Annotated Hobbit [1] sowie die von Hammond und Scull zuvor veröffentlichten editierten Ausgaben von Roverandom [2] und Farmer Giles of Ham [3], in denen Text und Kommentar nach einzelnen Sektionen in einem Band herauskommen.
Da aber The Lord of the Rings ungleich länger als die oben genannten Werke ist, wurde diese Idee verworfen und das Werk neu konzeptiert. Demnach wurde sich bewusst dagegen entschieden, den Text des Werkes zusammen mit den Kommentaren in einem Band herauszugeben. Stattdessen entschieden sich die Autoren für eine separierte Sammlung von Kommentaren, Anmerkungen und Begleitmaterial.
Die Kommentare und Anmerkungen sind größtenteils abgeleitet von Tolkiens eigenen Werken. Darunter befinden sich einerseits bereits geordnete und veröffentlichte Informationen (wie z.B. die History of Middle-earth Serie) als auch Tolkiens Originalnotizen, welche in dem „Department of Special Collections and University Archives of the Marquette University Libraries“ lagern. Des Weiteren waren Tolkiens Briefe eine wichtige Informationsquelle. Auf der einen Seite wiederum die weitgehend veröffentlichten Briefe als auch die weniger bekannte Kommunikation mit dem George Allen & Unwin Verlag, welche im HarperCollins-Archiv zu finden ist. Im Speziellen wurden auch die früheren Editionen mit einbezogenen, so dass dem Leser die Unterschiede in diesen Versionen präsentiert werden können.
2. Inhalt
Der Inhalt des Werkes lässt sich grob in zwei Teile teilen. Neben den eigentlichen Kommentaren zu The Lord of the Rings, welche in Abschnitt 2.1 behandelt werden, enthält das Werk noch weiteres Material, welches nicht direkt dem Werk zugeordnet ist. Dieses wird in Abschnitt 2.2 beschrieben.
2.1 Kommentare zu Lord of the Rings
Der größte Teil des Werkes besteht aus Kommentaren, welche in chronologischer Reihenfolge Textstellen zugeordnet sind. Diese Kommentare sind, sofern sie nicht eine Szene eindeutig zugeordnet sind, an dem jeweils ersten Vorkommen des Schlüsselworts festgemacht.
Die Autoren betonen, dass sie aufgrund der Beschränkung der Größe des Werkes nicht beliebig viele Textstellen kommentieren können, sondern sich nur auf die Wesentlichen beschränken. Diese lassen sich grob in die folgenden Schwerpunkte einteilen:
- Editionsunterschiede - Im Jahr 1966 wurde die Second Edition von The Lord of the Rings herausgegeben. Diese enthielt ein komplett neues Vorwort und andere große Änderungen des Werkes.
Im Besonderen wurden aufgrund von Änderungen, bzw. Korrekturen an der Auenland-Karte viele Textstellen an die neue Karte angepasst werden. Alle Änderungen werden von den Autoren detailreich beschrieben und den jeweiligen Textstellen zugeordnet. Das alte Vorwort ist in Gänze abgedruckt.
Neben der großen Revision gab es noch viele kleine Änderungen in den einzelnen Editionen, welche zum Großteil Fehler sind, welche beim Druck hinzugekommen sind und erst später wieder berichtigt wurden. Diese Änderungen wurden ebenfalls gelistet und zugeordnet.
- Entwicklungsgeschichte - Tolkien konzipierte The Lord of the Rings über einen längeren Zeitraum und verwarf bzw. änderte etliche Male bereits zu Papier gebrachte Versionen. An einigen Stellen ergänzen diese früheren Versionen Tolkiens Werk und fördern so ein erweitertes Verständnis der Textstelle.
Als Beispiel sei hier Frodos Traum in Tom Bombadils Haus zu nennen, welcher sich erst durch die Kenntnis früherer Versionen richtig deuten lässt.
- Hintergrundmaterial - Tolkien selbst konzipierte sich für die Erstellung seines Werks Hilfsmaterial, um zwischen den einzelnen Handlungssträngen konsistent zu bleiben. So gibt es eine Zeittafel (Scheme), auf welcher die einzelnen Handlungen eingetragen sind, um diese zu koordinieren. Einige Einträge, wie z.B. die Bewegungen Gollums nach der Flucht aus Moria, finden sich allerdings nicht in The Lord of the Rings und werden hier angeführt.
Neben der Zeittafel sind die Bewegungen der Schwarzen Reiter in Eriador noch als wesentliches Material anzuführen. Diese geben detailliert Auskunft über die einzelnen Bewegungen, Aktionen und Gründe der Reiter.
- Historie - The Lord of the Rings beinhaltet viele Andeutungen auf frühere Geschehnisse und Personen in Mittelerde ohne die Geschichte ganz wiederzugeben. Dies erschwert für manchen Leser das Verständnis von einigen Textstellen. Bei diesen Textstellen ist eine kurze Erläuterung über diese Geschehnisse oder Personen zu finden. Als Beispiel sei hier das 'Königreich von Angmar' genannt. Die Autoren erläutern kurz die Hintergründe über dieses Reich und warum es so wichtig für die Handlung ist.
- Namenserläuterungen - Beim jeweils ersten Vorkommen eines Namens in einer fremden Sprache wird die Sprache genannt und die Übersetzung des Namens (in Englisch) angegeben. Dies wird auch für einige andere nicht gebräuchliche Begriffe getan.
- Datumsangaben - Für jeden beschriebenen Tag gibt es eine Datumsangabe, so dass der Leser immer das aktuelle Datum erfährt. Besonders bei ereignislosen Tagen, wie der Fahrt auf dem Anduin verdeutlicht es die vergangene Zeit.
- Allgemeine Informationen - Viele Textstellen werden auch dem besseren Verständnis der Handlung wegen noch mal kurz erläutert oder interpretiert.
2.2 Zusätzliches Material
Neben den eigentlichen Kommentaren zum Text des Lord of the Rings enthält dieses Werk auch noch eine ganze Menge Begleitmaterial, welches im Folgenden vorgestellt wird.
- Kurzbeschreibung zur Entstehung des Lord of the Rings - Hier geben die Autoren eine 26-seitige Zusammenfassung der Entstehungsgeschichte von The Lord of the Rings an, welche allerdings auch auf die Ereignisse nach der Erstveröffentlichung eingeht. Die Zusammenfassung enthält neben aus The Letters of J.R.R. Tolkien [4] weitgehend bekannten Informationen auch Kommunikation aus dem „Tolkien-George Allen & Unwin Archive, HarperCollins“.
Des Weiteren beschreiben sie das Echo der Kritiker nach der Erstveröffentlichung und die im Laufe der Jahre vorgenommenen Revisionen von The Lord of the Rings. Hierbei gehen sie besonders auf die von ihnen durchgeführte 'größere' Revision aus dem Jahre 2004 ein.
- Chronologie und Mondkalender - Ein Kapitel befasst sich mit Tolkiens Umgang mit der Chronologie und zeigt die Zusammenhänge des Mondkalenders mit der Handlung auf.
- Kartengeschichte - In der Entstehungsgeschichte von The Lord of the Rings entstanden mehrere Arbeitskarten vom Auenland. Die Autoren beschreiben hier wie die einzelnen Karten entstanden und welchen Einfluss sie auf die Namensgebung hatten. Auch werden Änderungen in den verschiedenen Karten aufgezeigt.
- Unveröffentlichter Teil eines Briefes - In The Letters of J.R.R. Tolkien [4] finden sich viele Briefe von Tolkien. Diese sind jedoch eine Auswahl an Briefen. In diesem Werk wird der bei der Veröffentlichung weggelassene Teil eines Briefes aus dem Jahre 1951 an Milton Waldman präsentiert. Dieser Teil behandelt im Besonderen eine Zusammenfassung Tolkiens von The Lord of the Rings und gibt insbesondere die Sicht Tolkiens auf sein Werk wider.
- Nomenclature - Tolkien war einer Übersetzung seines Werks nicht besonders aufgeschlossen. Da dieses aber unvermeidlich war, arbeitete er Richtlinien für die Übersetzer aus, wie die Namen in The Lord of the Rings übersetzt werden sollen, damit diese nicht verfälscht werden. Diese Richtlinien wurden bereits 1975 veröffentlicht, sind aber lange Zeit nicht neu aufgelegt wurden.
- Änderungen in den Editionen von 2004-5 - Eine Auflistung aller Änderungen, welche in den Editionen 2004-5 getätigt wurden.
3. Fazit
Lord of the Rings: A Reader's Companion ist ein sehr zu empfehlendes Werk für jeden Tolkien-Fan, welcher mehr als The Lord of the Rings und den Hobbit gelesen hat. Die präsentierten Informationen zu The Lord of the Rings sind gut aufbereitet und helfen beim Verständnis der Textstellen. Leser, welche bislang nur The Lord of the Rings kennen, könnten sich allerdings anhand der Fülle der Informationen erschlagen fühlen, da diese den größeren Zusammenhang nicht kennen.
Dem Werk ist sehr interessantes Begleitmaterial beigefügt, welches zum Verständnis von Tolkiens Welt beiträgt. Auch enthält das Werk noch unveröffentlichtes oder nur schwer zugängliches Material. Besonders hervorhebenswert ist auch der Vergleich der einzelnen Edititionen des The Lord of the Rings bzw. die Präsentation und Kommentierung der Unterschiede.
- [1] J.R.R Tolkien, Douglas A. Anderson (Hg.), The Annotated Hobbit, London: HarperCollins, 1988.
- [2] J.R.R Tolkien, Christina Scull (Hg.), Wayne G. Hammond (Hg.), Roverandom, G.K. Hall & Company, 1998.
- [3] J.R.R. Tolkien, Wayne G. Hammond (Hg.), Christina Scull (Hg.), Farmer Giles of Ham, Boston: Houghton Mifflin, 1999.
- [4] H. Carpenter (Hg.), The Letters of J.R.R. Tolkien, London: George Allen & Unwin, 1981.