![]() ![]() | Christina Scull und Wayne G. Hammond The J.R.R. Tolkien Companion and Guide I: Chronology London: HarperCollins, 2006. [Hardcover, ISBN 978-0-261-10381-8, 30 £, Amazon] |
von Stephan Eggersglüß
veröffentlicht am 18.05.2007
Das Werk Chronology ist neben Reader's Guide Teil des zweibändigen The J.R.R. Tolkien Companion and Guide der Autoren Christina Scull und Wayne G. Hammond.
Companion and Guide ist allerdings nicht zu verwechseln mit The Lord of the Rings. A Reader's Companion von denselben Autoren, das ein Jahr zuvor erschien.
Die frühen Anfänge von Companion and Guide liegen in einer Ansammlung von Material, das die Autoren in ihren Tolkien-Studien zusammengetragen haben und welches mit der Zeit immer größer wurde. Das Werk selber hat die Intention, dem Leser einerseits umfassendes Begleitmaterial zu Tolkiens Werken bereitzustellen, damit dieser mehr über die Hintergründe dieser Werke erfährt, andererseits Tolkiens Schriften und Ideen selber, seine Familie und Kollegen und vor allem sein Leben zu präsentieren.
Die Autoren grenzen sich hier allerdings klar von bereits erschienenen Werken ab. Es sei weder ein Führer durch die von Tolkien entwickelte Welt wie Robert Fosters Guide to Middle-earth [1] noch soll es Carpenters Biographie [2] oder C. Tolkiens History of Middle-earth [3] ersetzen. Obwohl es viele schwer zugängliche und bisher unveröffentlichte Informationen unter anderem aus Archiven, wie dem Tolkien-George Allen & Unwin Archiv, HarperCollins, enthält, soll der Hauptnutzen nicht in der Präsentation neuen Materials über Tolkien liegen. Stattdessen ist es dazu gedacht, einen Überblick über Tolkiens Leben und seine Werke zu schaffen. Dazu werden dem Leser Hinweise auf weiterführende Literatur gegeben, die bestimmte Themen ausführlicher behandelt. Eine Fokussierung auf Tolkiens bekannteste Werke (The Hobbit, The Lord of the Rings, The Silmarillion) wurde bewusst vermieden, um Tolkiens Forschungsarbeiten in Bereichen wie z. B. Old und Middle-English in gebührendem Maße zu würdigen.
In Chronology sollen die während der Studien gesammelten Informationen in chronologischer Reihenfolge präsentiert werden. Im Gegensatz zu einem biographischen Aufsatz, in dem man auf viele Informationen hätte verzichten müssen, können dem Leser auf diese Weise alle Informationen zugänglich gemacht werden, so dass ein möglichst komplettes Bild von J.R.R. Tolkien entsteht. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass so auch viele kleine nicht so wichtige Informationen präsentiert werden. Doch im Gesamtkontext seien diese Informationen sehr wichtig, um ein treffendes Bild von Tolkien zu vermitteln.
Der Band lässt sich in zwei Teile gliedern. Der erste (ungleich größere) Teil ist die chronologisch geordnete Auflistung von Ereignissen in Tolkiens Leben (im Folgenden „Chronologie“ genannt) und wird in Abschnitt 2.1 dieser Buchbesprechung beschrieben. Im zweiten Teil des Bandes ist zusätzliches Material gegeben. Dieses wird in Abschnitt 2.2 vorgestellt.
Die Chronologie beginnt mit Informationen zur Geburt von Tolkiens späterer Ehefrau Edith Mary Bratt im Jahr 1889 und endet mit einem Eintrag über den Gedenkgottesdienst zu Ehren J. R. R. Tolkiens nach seinem Tod im Jahr 1973. In den dazwischen liegenden 775 Seiten wird das Leben Tolkiens äußerst detailliert chronologisch beschrieben.
Die Einträge sind meist auf den Tag genau datiert. Nur bei nicht genau datierbaren Ereignissen oder Ereignissen, die über einen gewissen Zeitraum dauern, ist eine Zeitspanne angegeben. Der Eintrag ist in diesem Fall am Beginn der Zeitspanne zu finden.
Neben Ereignissen in Tolkiens privatem Leben und in seiner akademischen Laufbahn werden insbesondere Ereignisse präsentiert, welche in Zusammenhang mit der Veröffentlichung seiner Werke stehen. Die Autoren greifen für die Einträge auf verschiedene Quellen zurück. Um den Detailgrad der Chronologie und die verschiedenen Quellen aufzuzeigen, wird in der folgenden Aufzählung eine Auswahl der Quellen präsentiert:
In an account of the members of the Debating Society Ronald is described as an energetic Secretary who does not consider that his duties excuse him from speaking. Has displayed great zeal in arranging meetings throughout the session and considerable ingenuity in advertising them. He is an eccentric humorist who has made many excellent speeches, at times rather burdened with anacolutha. Made one valiant effort to revive Beowulfic oratory. (p. 25)
Tolkien's scheduled lectures for this term are: Beowulf (continued) on Wednesdays and Fridays at 11.00 a.m., place to be arranged, beginning 1 May; and History of English Language (continued) on Wednesdays at 12.00 noon and Fridays at 10.00 a.m. in the Taylor Institution, beginning 1 May. He will continue to supervise B.Litt. students J.J. Lawlor, M.Y. Offord, and M.B. Salu, and D. Phil. student T.J.A Monaghan. (p. 300)
He took out a pipe as he entered his study, and all during the interview he held it clenched in his teeth [...] he never removed it from the mouth for more than five seconds....
I tried out a few set questions I had prepared and found very quickly that Professor Tolkien had little taste for straight question-and-answer interviewing. He was always responsive and fascinating in what he said, but he was dizzingly roundabout. As soon as he expressed one idea, it suggested another to him, and he was constantly making connections and going off in new directions....(p. 679)
Tolkien begins a revision of The Hobbit, but gets no further than emendations to Chapter 1 and a substantial new section for Chapter 2. (p. 554)
Der größte Teil an Material entstammt jedoch Briefen von oder an Tolkien. Zeit seines Lebens schrieb Tolkien viele Briefe an Kollegen, an seine Verleger, an die Übersetzer seiner Werke und nicht zuletzt an seine Fans. Die Briefe werden hierbei anders als in dem von Carpenter veröffentlichten Briefband [4] nicht vollständig abgdruckt, sondern die relevanten Teile wurden extrahiert und in die Chronologie eingefügt. Allerdings wurden neben den aus Carpenters Briefband bekannten Briefen, die mehr auf die Entwicklung seiner Werke fokussiert sind, auch zahlreiche andere Briefe berücksichtigt.
Insbesondere die vielen Briefe aus dem Tolkien-George Allen & Unwin Archive (bei HarperCollins, London) wurden in der Chronologie berücksichtigt. Sie geben Aufschluss über die Probleme, welche mit der Veröffentlichung seiner Werke einher gingen und zeigen auch, wie beschäftigt Tolkien gewesen war. Durch die intensive Kommunikation mit George Allen & Unwin wird die Entstehung von Tolkiens Werken - bzw. die Nicht-Veröffentlichung seines Silmarillions – sehr ausführlich dargestellt und somit auch für den Leser gut nachvollziehbar. Erwähnenswert ist – besonders seit dem Erscheinen der Filmtrilogie – auch die dokumentierte Kommunikation Tolkiens mit verschiedenen Produktionsfirmen. Dadurch wird ein klares Bild der ablehnenden Haltung Tolkiens gegenüber Verfilmungen gezeichnet.
Neben der Chronologie, die den Hauptteil des Werkes stellt, enthält das Werk auch noch weiteres Material. Dieses wird in der folgenden Aufzählung mit einer kurzen Beschreibung präsentiert.
Wie bereits in Abschnitt 1 angemerkt, war es nicht die Intention der Autoren, Standardwerke wie die Biographie von Humphrey Carpenter zu ersetzen. Der Unterschied zeigt sich bereits in der Art der Präsentation. Chronology konzentriert sich nicht auf die Kernelemente von Tolkiens Leben, sondern versucht das Leben J.R.R. Tolkiens so detailliert wie möglich in voller Breite zu präsentieren. Hierbei werden auch zahlreiche Dinge aufgeführt, die nicht in der Biographie zu finden sind.
Dabei handelt es sich nicht nur um kleine Details, wie beispielsweise Tolkiens Teilnahmen an zahlreichen eher ereignislosen „Board Meetings“ der Universität, die bewusst nicht in die Biographie aufgenommen wurden, sondern auch um neue Erkenntnisse, die die Autoren aus neu erschlossenen Quellen gewinnen konnten. So waren z. B. die „army medical records“ (Sanitätsberichte) noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich, als Carpenter seine Biographie schrieb.
Nicht zuletzt zeigen die Autoren auch Ungenauigkeiten und kleinere Fehler auf, die Carpenter in seiner Biographie unterlaufen sind. Während Carpenter z. B. den Titel von Mr. Bliss [5] auf Tolkiens „Fahrkünste“ im Jahre 1932 zurückführte, belegen die Autoren, dass der Titel schon 1928 entworfen wurde und das Genannte somit nicht der Grund sein konnte.
Eine weitere Korrektur nehmen die Autoren beispielsweise bei der Datierung eines Ereignisses vor, das grundlegend für die Entwicklung seiner Mythologie war. Es handelt sich um dem Tanz seiner Frau Edith in einem Wald nahe Roos, auf Basis dessen er Lúthien und Berens Begegnung konzipiert hat.
Humphrey Carpenter in 'Biography', p. 97, dates the incident in Roos after the birth of the Tolkiens' first child on 16 November 1917, and, despite Tolkien's statement [...] places the writing of 'The Tale of Tinúviel' after 'The Tale of Turambar', thus presumably in 1918. It seems unlikely, however, that Edith would have danced on the windy east coast of England in the middle of winter 1917-18, while still recovering from a difficult birth. (p. 786)
Auch Tolkiens Bewegungen in den Kriegszeiten wurden (durch die neuen Informationen) teilweise widerlegt und korrigiert.
Wer mehr über die Person J.R.R. Tolkien und über die Hintergründe der Entstehung seiner Werke erfahren möchte, dem kann nur empfohlen werden, dieses detailreiche Werk zu lesen. Neue Informationen über die Konzepte und Details seiner Welt wird der Leser allerdings vergeblich suchen, doch dafür wurde Chronology auch nicht konzipiert. Allerdings verweist dieses Werk an vielen Stellen auf weiterführende Literatur, was für eine Vertiefung der Thematik oder einen umfangreichen Überblick auf Tolkien-Literatur äußerst hilfreich ist. Mit diesem akribisch erarbeiteten Werk zeichnen die Autoren Christina Scull und Wayne G. Hammond ein ausführliches Bild von J.R.R. Tolkiens Leben und geben Einblick in seine Interessen, Arbeitsweisen und Verpflichtungen. Darauf aufbauend werden die Gründe der oft mit der Veröffentlichung seiner Werke einhergehenden Verspätungen deutlich gemacht. Negativ anzumerken ist noch, dass an manchen Stellen die vielen kleinen Details, welche für das Gesamtbild aber notwendig sind, dem Lesefluss nicht förderlich sind.
Diese Hobbit-Ausgabe in simplified Chinese besticht durch ungewöhnliche ...
"... and best of all the nameless North of Sigurd and the Völsungs, and the ...
Klett-Cotta gibt einmal im Jahr die kostenlose Zeitschrift "Tolkien Times" ... | Besprechung des Hörbuchs Elbenwald |
Weitersagen:
| 2004-2010 | http://www.tolkien-buecher.de | Impressum
Daten von Twitter und Facebook werden zeitverzögert angezeigt.