von Johanna J. Finnemann
veröffentlicht am 29.10.2007
Die Geschichte handelt von dem Sohn des Hufschmieds von Großholzingen (Wootton Major), der bei einem Winterfest einen Elbenstern (fay-star) verschluckt, der in einen Kuchen eingebacken war. Mit Hilfe dieses Sterns wird der Junge zum Grenzgänger zwischen der Märchenwelt (Faery) und seinem Heimatdorf, denn der Stern ermöglicht ihm als einzigem Sterblichen den Zutritt zu Elbland (Faery).
Das Dorf Großholzingen ist im ganzen Umkreis für seine jährlichen Feierlichkeiten und besonders für die dazugehörigen kulinarischen Köstlichkeiten bekannt, weshalb der Küchenmeister des kleinen Dorfes eine äußerst wichtige Persönlichkeit ist. Der Höhepunkt für jeden Küchenmeister in Großholzingen ist die große Torte, die nur alle 24 Jahre zum Fest der 24 (Twenty-four Feast) für 24 Kinder angefertigt wird. Umso verstörter sind alle Bewohner Großholzingens, als der alte Küchenmeister, kurz bevor er an der Reihe war, den großen Kuchen für „Das Fest der Guten Kinder“ (The Feast of Good Children) zu backen, ankündigt zu verreisen und seinen Lehrling Alf allein zurücklässt.
Alf jedoch wird von den Dorfbewohnern als zu jung befunden, um das Amt des Küchenmeisters zu bekleiden; und so wird der mehr oder weniger gute Koch Nokes zunächst mit dem Amt betraut. Doch Nokes bedarf oft der Hilfe Alfs und nur mit seiner Hilfe schafft er es den Großen Kuchen (the Great Cake) zu backen. Am Tag des Fests der Guten Kinder beschließt Nokes seinen Kuchen zu verbessern, indem er einige Münzen und andere Kleinigkeiten mit hineinbackt, die er in einer alten Kiste des vorherigen Küchenmeisters findet. Was er jedoch nicht wissen kann, ist, dass sich unter dem Tand auch ein magischer Elbenstern (fay-star) befindet...
So kommt es, dass der neunjährige Sohn des Schmieds den Elbenstern verschluckt, ohne dass er es bemerkt. An seinem zehnten Geburtstag jedoch befestigt sich der Stern an seiner Stirn und bleibt dort, doch nicht alle können ihn auch sehen.
Der Junge wächst ebenso wie sein Vater als Schmied auf, doch der Stern verleiht ihm Anmut und außergewöhnliches Geschick. Doch der Stern hat noch ganz andere Qualitäten, denn er ermöglicht seinem Träger den Eintritt in das Elbenland (Faery). Und so kommt es, dass er auch als Erwachsener immer wieder nach Elbland reist und sogar die Königin des Elblandes kennenlernt.
Als der Tag des nächsten „Fests der 24“ näherrückt, klärt sich erst, was es wirklich mit dem magischen Stern auf sich hat...
So bildet das fantasievolle Märchen Der Schmied von Großholzingen (Smith of Wootton Major) eine Art Brücke zwischen den mittelerdebezogenen Werken Tolkiens und seinen übrigen Werken. Ähnlich wie schon in Roverandom lässt der Autor von Zeit zu Zeit Andeutungen auf seine große Mythologie durchschimmern; und obwohl Der Schmied von Großholzingen nicht in Mittelerde spielt, beinhaltet er dennoch einige Übereinstimmungen mit „Faery-Motiven“ Tolkiens: die Hauptfigur wird zu einem Weltenwanderer, der zu Ländern jenseits der normalen Welt reist, die normalerweise unerreichbar für Sterbliche sind (ähnlich wie z.B. Eriol).
Wer in diesem Märchen Fantasy erwartet ist sicher falsch, wer jedoch Phantasie sucht genau richtig, denn das Hauptthema der Erzählung handelt von der Macht der Phantasie.
Manche Leser mögen vergeblich auf ein mitreißendes Epos à la „Der Herr der Ringe“ warten, denn die Geschichte erscheint zuerst trügerisch einfach und simpel, wie ein Kinderbuch, doch obwohl auch Kinder sie genießen können, ist die Geschichte nicht für Kinder gedacht. Der Schmied von Großholzingen lässt sich also auf verschiedenen Ebenen „erfahren“.
Damit dieses Märchen jedoch seine Vielfalt und Tiefe entfalten kann, muss der Leser bereit sein, sich auf die Geschichte einzulassen.
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